Eichhörnchen sind faszinierende Tiere. Ihre kleinen Gesichter mit den Knopfaugen, die Pfoten, mit denen sie ihre Nahrung halten, und ihre flinken Bewegungen machen sie zu wunderbaren Fotomotiven. Man könnte ihnen wahrscheinlich ewig zuschauen und genauso gut Stunden damit verbringen, sie zu fotografieren.
Einfach ist das Fotografieren von Eichhörnchen allerdings nicht. Eichhörnchen sind flink und ständig in Bewegung. Gerade wenn sie klettern, springen oder plötzlich die Richtung wechseln, muss man schnell reagieren, denn ein schöner Moment kann innerhalb von Sekunden wieder vorbei sein.
Meine Begeisterung für das „Eichhörnchen fotografieren“ hat unter anderem mit den Eichhörnchen begonnen, die regelmäßig in der Nähe unseres Hauses unterwegs waren. Eines davon, das wir Mrs. Puschel getauft hatten, hatte sogar einen Kobel in einem Baum vor unserem Wohnzimmerfenster gebaut.
Dadurch hatte ich die Möglichkeit, die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten und zu fotografieren, sie zu stören. Gerade diese Situationen haben mir gezeigt, wie viel Spaß Eichhörnchenfotografie macht.
Mittlerweile fotografiere ich Eichhörnchen an ganz unterschiedlichen Orten, in erster Linie auf dem Balkon, aber auch im Schrebergarten, in Parks und auf Friedhöfen.
In diesem Artikel möchte ich zeigen, worauf es beim Fotografieren von Eichhörnchen ankommt und welche Erfahrungen ich dabei gemacht habe. Von der Wahl der Ausrüstung und den Kameraeinstellungen über Autofokus, Licht und Perspektive bis hin zur Bildgestaltung.
Eichhörnchen sind für mich besonders spannende Fotomotive, weil eigentlich nie genau vorhersehbar ist, was sie als Nächstes machen. Mal sitzen sie ganz ruhig da und knabbern an einer Nuss, dann klettern sie plötzlich einen Baum hinauf, springen auf einen anderen Ast oder verschwinden für einen Moment hinter dem nächsten Zweig.
Dazu kommen ihre ausdrucksstarken Gesichter, die kleinen Pfoten und der buschige Schwanz. Auch die Ohrpinsel verändern sich je nach Jahreszeit und geben den Tieren immer wieder einen etwas anderen Look. Zudem sind Eichhörnchen neugierig und entdeckungsfreudig, weshalb man sie auch gut mit geeignetem Futter an schöne Plätze locken an.
Genau diese Mischung macht das Eichhörnchen fotografieren so reizvoll, aber auch anspruchsvoll. Man mussen die Tiere beobachten, schnell reagieren und dann auch noch im richtigen Moment auslösen.
Empfehlenswert sind spiegellose Systemkameras oder schnelle Spiegelreflexkameras mit:
Moderne Kameras mit spezieller Tiererkennung (zum Beispiel „Animal Eye AF“) helfen sehr dabei, die Augen der Eichhörnchen scharf zu halten, auch wenn sie sich bewegen.
Für das Fotografieren von Eichhörnchen sind Teleobjektive besonders praktisch. Welche Brennweite sinnvoll ist, hängt allerdings stark davon ab, wie nah du an die Tiere herankommst und in welcher Umgebung du fotografierst.
Ich fotografiere Eichhörnchen am liebsten mit meinem 100 bis 500 mm Zoomobjektiv. Gerade dieser große Brennweitenbereich ist für mich sehr praktisch, weil ich damit flexibel auf unterschiedliche Entfernungen reagieren kann. Sitzt ein Eichhörnchen weiter entfernt, kann ich mit 500 mm formatfüllende Aufnahmen machen. Kommt es dagegen plötzlich sehr nah, kann ich auf 100 mm herauszoomen und habe trotzdem noch genügend Spielraum für die Aufnahme.
Gerade an bekannten Eichhörnchen-Locations, an denen die Tiere regelmäßig gefüttert werden, können Eichhörnchen sehr nah an Menschen herankommen und ihre Scheu verlieren. Hier kann eine kürzere Brennweite durchaus sinnvoll sein. An anderen Orten, an denen die Tiere mehr Abstand halten, spielt eine längere Brennweite ihre Vorteile aus.
Ein Zoomobjektiv bietet deshalb viel Flexibilität. Je nach Situation können beispielsweise 70 bis 200 mm, 100 bis 500 mm oder auch längere Teleobjektive sinnvoll sein.
Ein Stativ kann bei der Eichhörnchenfotografie sinnvoll sein, ist aber nicht zwingend notwendig. Gerade wenn du den Tieren folgst oder schnell auf ihre Bewegungen reagieren möchtest, fotografierst du meist freihändig.
Eine stabile Unterstützung kann sich trotzdem lohnen, wenn du längere Zeit an einem festen Platz fotografierst. Das gilt besonders bei schweren Teleobjektiven oder wenn du beispielsweise vom Fenster oder Balkon aus fotografierst. Hier kann ein Stativ, ein Bohnensack oder auch eine andere stabile Auflage entlasten und zu Stabilität verhelfen.
Bei guten Lichtverhältnissen und kurzen Verschlusszeiten fotografiere ich dagegen problemlos aus der Hand.
Die perfekten Einstellungen gibt es nicht, sie hängen immer von Licht, Entfernung und Bewegung ab. Als grobe Orientierung kannst du jedoch folgende Werte als Startpunkt nehmen und sie dann anpassen.
Eichhörnchen bewegen sich schnell und unvorhersehbar. Man weiß fast nie, was einem Eichhörnchen im nächsten Moment einfällt. 😉 Aus dem ruhigen Sitzen kann plötzlich ein Sprung werden, aus dem Fressen eine schnelle Putzbewegung. Um scharfe Bilder zu bekommen, brauchst du daher durchgehend kurze Verschlusszeiten.
Hier eine grobe Orientierung:
Ruhig sitzend: 1/500 bis 1/800 Sekunde
Wenn das Eichhörnchen still sitzt und zum Beispiel seine Umgebung beobachtet, reichen bereits moderate Verschlusszeiten.
Fressend: 1/800 bis 1/1250 Sekunde
Beim Fressen sitzen Eichhörnchen zwar oft relativ still, aber die Pfoten bewegen sich schnell, besonders wenn sie Nüsse drehen oder knabbern.
Sich putzend: 1/1000 bis 1/1600 Sekunde
Beim Putzen kann es auch mal schnelle, ruckartige Bewegungen machen, sodass ich eher eine kürzere Verschlusszeit empfehle.
Laufend oder kletternd: 1/1600 bis 1/2500 Sekunde
Wenn das Eichhörnchen läuft oder klettert, sind deutlich kürzere Verschlusszeiten nötig, um die Bewegung scharf einzufrieren.
Springend: 1/2500 bis 1/4000 Sekunde oder kürzer
Sprünge zwischen Ästen sind die schnellsten Bewegungen. Hier brauchst du sehr kurze Verschlusszeiten, um das Tier scharf abzubilden.
Da man nie genau weiß, was im nächsten Moment passiert, sind für die meisten Situationen mindestens 1/1000 bis 1/1600 Sekunde ein guter Mittelwert. So bist du für die meisten Bewegungen gerüstet, ohne dass die Verschlusszeit so kurz wird, dass du bei schlechterem Licht zu hohe ISO-Werte brauchst. Im Zweifel lieber eine etwas kürzere Verschlusszeit wählen, besonders wenn das Licht es zulässt.
Die Blende beeinflusst Schärfe, Hintergrundunschärfe und Lichtmenge. Bei Eichhörnchen möchte man im Normalfall einen weichen, unscharfen Hintergrund, damit das Tier klar im Vordergrund steht.
Offene Blenden (f/4 bis f/5.6):
Viel Licht, starke Hintergrundunschärfe, gut für Porträts und freigestellte Tiere. Die Schärfentiefe ist aber sehr gering, besonders bei langen Brennweiten.
Mittlere Blenden (f/6.3 bis f/8):
Guter Kompromiss aus Schärfe, Hintergrundtrennung und Lichtausbeute. Viele Objektive haben hier ihre beste Schärfeleistung.
Höhere Blendenwerte wie f/11 oder mehr empfehle ich bei Eichhörnchen nicht unbedingt, weil der Hintergrund dann oft zu scharf wird und das Tier nicht mehr schön vom Hintergrund abgehoben ist.
Ich arbeite im Normalfall im Modus AV (Blendenpriorität), weil ich die Blende selten verändere und versuche, einen Wert zwischen f/4 und f/8 zu wählen. Die Kamera passt dann automatisch die Verschlusszeit an.
In Situationen, in denen sich das Licht jedoch schnell ändert oder ich sowohl Blende als auch Verschlusszeit gezielt steuern möchte, fotografiere ich auch im manuellen Modus (M). So kann ich die Verschlusszeit aktiv anpassen, wenn zum Beispiel plötzlich mehr Bewegung ins Spiel kommt oder die Lichtverhältnisse schwieriger werden. Der M-Modus gibt mir die volle Kontrolle über beide Werte, erfordert aber auch mehr Aufmerksamkeit beim Fotografieren.
Der ISO-Wert beeinflusst, wie viel Licht der Sensor für die Aufnahme benötigt. Ein höherer ISO-Wert kann dabei helfen, auch bei schwierigeren Lichtverhältnissen mit ausreichend kurzen Verschlusszeiten zu fotografieren.
Als grobe Orientierung können folgende Werte dienen:
In der Praxis fotografiere ich Eichhörnchen allerdings häufig mit ISO 1600 oder höher und gehe je nach Situation auch bis ISO 4000. Da ich viele meiner Aufnahmen durch die Glasscheibe vom Balkon aus mache, steht mir dabei weniger Licht zur Verfügung. Ein höherer ISO-Wert hilft mir hier, trotzdem mit kurzen Verschlusszeiten zu fotografieren.
Mit meiner Canon EOS R6 Mark II ist selbst bei ISO 4000 kaum wahrnehmbares Bildrauschen vorhanden. Zusätzlich bearbeite ich meine RAW-Dateien mit DxO PureRAW 2, wodurch sich das ohnehin geringe Rauschen bei Bedarf noch weiter reduzieren lässt.
Welcher ISO-Wert sinnvoll ist, hängt letztlich von der jeweiligen Lichtsituation, der gewünschten Verschlusszeit und der verwendeten Kamera ab. Wenn bei einem niedrigeren ISO-Wert bereits genügend Licht vorhanden ist, würde ich diesen entsprechend bevorzugen.
Grundsätzlich gilt für mich: Lieber etwas mehr ISO und dafür eine ausreichend kurze Verschlusszeit als ein zu dunkles oder durch Bewegungen unscharfes Bild.
Für das Fotografieren von Eichhörnchen ist ein zuverlässiger Autofokus besonders wichtig, da sich die Tiere schnell und oft unvorhersehbar bewegen.
Kontinuierlicher Autofokus (Canon: Servo AF, bei anderen Herstellern beispielsweise AF-C):
Der kontinuierliche Autofokus hält die Schärfe auch bei bewegten Tieren. Gerade wenn ein Eichhörnchen läuft, klettert oder springt, kann dieser Modus hilfreich sein.
Tier-Augen-Erkennung aktivieren:
Wenn deine Kamera eine Tier-Augen-Erkennung bietet, kann sie dabei helfen, den Fokus auf dem Auge des Eichhörnchens zu halten. Allerdings funktioniert das nicht in jeder Situation optimal.
Fokusfeld an die Situation anpassen:
Bei freier Sicht auf das Eichhörnchen kann eine größere Fokuszone oder die Tiererkennung sinnvoll sein. Befinden sich dagegen Äste, Blätter oder andere Pflanzen zwischen dir und dem Tier, nutze ich häufig den normalen Autofokus mit einem gezielteren Fokusfeld. So kann ich besser bestimmen, worauf die Kamera fokussieren soll, und verhindere, dass sie stattdessen eine Pflanze im Vordergrund auswählt.
Je nach Situation switche ich zwischen verschiedenen AF-Einstellungen. Bei bewegten Eichhörnchen kann der Servo AF hilfreich sein, während ich bei ruhigeren Momenten oder schwierigen Bedingungen mit Ästen und Pflanzen häufig den normalen Autofokus verwende.
Blendenpriorität (A / AV): Du stellst die Blende ein, die Kamera wählt die passende Verschlusszeit. Gut, wenn du die Hintergrundunschärfe kontrollieren möchtest. Das ist mein bevorzugter Modus.
Manueller Modus (M): Du bestimmst Blende, Verschlusszeit und ISO selbst. Sinnvoll, wenn das Licht relativ konstant ist und du volle Kontrolle über die Aufnahme haben möchtest.
Verschlusspriorität (S / TV): Du gibst die Verschlusszeit vor, die Kamera passt die Blende an. Das kann sinnvoll sein, wenn du sicherstellen möchtest, dass Bewegungen mit einer bestimmten Verschlusszeit eingefroren werden.
Viele Wildtier-Fotografen arbeiten mit Blenden- oder Verschlusspriorität und passen die Einstellungen je nach Situation an.
Eichhörnchenfotos sind oftmals besonders schön, wenn sie auf Augenhöhe fotografiert werden.
Der Standort ist beim Eichhörnchen fotografieren mindestens genauso wichtig wie die Kameraeinstellungen. Ein guter Hintergrund, schönes Licht und eine passende Perspektive können ein Foto deutlich interessanter machen.
Ich versuche möglichst auf Augenhöhe mit dem Eichhörnchen zu fotografieren. Dafür lege ich mich beim Fotografieren tatsächlich auch gerne auf den Boden. Gerade wenn das Eichhörnchen am Boden sitzt oder sich dort bewegt, entsteht dadurch eine ganz andere Bildwirkung, als wenn man einfach im Stehen oder Knien fotografiert.
Befindet sich das Eichhörnchen dagegen am Baum oder in den Ästen, kann auch eine niedrige Position spannend sein, aus der du nach oben fotografierst. Dadurch lassen sich beispielsweise der Stamm, die Äste oder der Himmel gezielt in die Bildgestaltung einbeziehen.
Gerade in Parks oder anderen öffentlichen Bereichen bleiben viele Menschen beim Fotografieren einfach stehen. Dadurch entstehen häufig Aufnahmen aus einer relativ hohen Perspektive. Wenn du bereit bist, dich etwas niedriger zu positionieren, kannst du dein Eichhörnchen stärker vom Hintergrund abheben und eine interessantere Perspektive bekommen.
Auch der Hintergrund spielt eine wichtige Rolle. Ruhige, möglichst gleichmäßige Hintergründe lenken weniger vom Tier ab. Äste, Blätter und andere Strukturen können dagegen gezielt eingesetzt werden, um das Bild natürlicher wirken zu lassen.
Ich achte außerdem darauf, wo sich das Eichhörnchen wahrscheinlich bewegen wird. Wenn ich einen guten Platz gefunden habe, an dem es regelmäßig vorbeikommt, kann es sinnvoll sein, dort eine Weile ruhig zu warten, statt ständig den Standort zu wechseln.
Oftmals lohnt es sich, verschiedene Perspektiven auszuprobieren. Schon eine kleine Veränderung des eigenen Standorts kann dafür sorgen, dass störende Äste verschwinden, der Hintergrund ruhiger wird oder das Licht schöner auf das Tier fällt.
Das richtige Licht kann einen großen Unterschied bei fotografieren von Eichhörnchen machen. Je nach Tageszeit und Lichtsituation entstehen dabei ganz unterschiedliche Bildwirkungen.
Früher Morgen und später Nachmittag
Besonders schönes Licht hast du häufig am frühen Morgen und am späten Nachmittag: Das Licht ist weicher, wärmer und schmeichelt dem Fell zudem sind Eichhörnchen in dieser Zeit oft besonders aktiv.
Mittagsonne und hartes Licht
Mittags ist das Licht oft sehr hart. Es entstehen starke Kontraste zwischen hellen Fellpartien und dunklen Schatten und das Risiko von ausgebrannten Lichtern und zugelaufenen Schatten. Wenn du mittags fotografierst, solltest du darauf achten, dass das Tier am besten komplett im Schatten ist. Direkt in der prallen Sonne entstehen oft keine schönen Bilder, da die Kontraste zu stark sind und Details im Fell verloren gehen.
Gegenlicht für besondere Effekte
Im Gegenlicht kannst du versuchen die Silhouette des Eichhörnchens mit einem leichten Konturlicht an den Rändern zu fotografieren und den buschigen Schwanz und die Ohrpinsel im Licht leuchten zu lassen. Hier ist eine sorgfältige Belichtung wichtig, damit das Tier nicht komplett schwarz wird, es sei denn, du möchtest genau diesen Effekt erzielen.
Ich fotografiere Eichhörnchen nicht immer genau in der Bildmitte. Gerade wenn das Tier zur Seite schaut oder sich in eine bestimmte Richtung bewegt, kann es schöner wirken, etwas Raum um das Eichhörnchen herum zu lassen.
Die Drittelregel kann dabei eine gute Orientierung sein. Das Eichhörnchen kann beispielsweise auf einem der Schnittpunkte der gedachten Drittellinien platziert werden. Ich sehe solche Regeln allerdings eher als Orientierung und entscheide letztlich danach, wie das Bild in der jeweiligen Situation wirkt.
Wenn du etwas mehr Raum um das Eichhörnchen lässt, hast du außerdem später bei der Bildbearbeitung noch mehr Möglichkeiten. Du kannst das Bild beispielsweise anders zuschneiden und ausprobieren, welche Bildaufteilung dir am besten gefällt. Natürlich sollte die Aufnahme dafür eine ausreichend hohe Auflösung haben. Wenn das Bild groß genug ist, ist es kein Problem, es für einen anderen Bildausschnitt etwas zu verkleinern.
Blickrichtung und Raum im Bild
Besonders bei Aufnahmen, auf denen das Eichhörnchen zur Seite schaut, achte ich darauf, in Blickrichtung etwas mehr Platz zu lassen. Dadurch wirkt das Bild meist harmonischer und der Blick des Betrachters wird automatisch mit in diese Richtung geführt.
Das funktioniert natürlich nicht bei jedem Bild gleich. Manchmal kann es auch gerade interessant sein, das Eichhörnchen bewusst näher an den Bildrand zu setzen oder den vorhandenen Raum anders zu nutzen.
Ich fotografiere grundsätzlich im RAW-Format. Dadurch habe ich bei der späteren Bearbeitung deutlich mehr Möglichkeiten, Belichtung, Farben, Kontraste und Schatten anzupassen. Gerade bei Eichhörnchen ist das hilfreich, weil das Fell je nach Licht schnell sehr hell oder sehr dunkel wirken kann.
Außerdem lassen sich RAW-Dateien stärker bearbeiten, ohne dass die Bildqualität so schnell sichtbar darunter leidet wie bei stark bearbeiteten JPEG-Dateien.
Helle Fellpartien und dunkle Augen im Blick behalten
Bei der Bearbeitung achte ich besonders auf die hellen Fellpartien und die Augen. Helle Bereiche im Fell können bei ungünstigem Licht schnell ausbrennen, während die Augen oft sehr dunkel sind.
Ein behutsames Aufhellen der Schatten und ein leichtes Abdunkeln der Lichter kann hier schon viel ausmachen. Auch eine gezielte Schärfung der Augen und des Fells kann das Bild noch etwas knackiger wirken lassen.
Gerade bei höheren ISO-Werten lohnt sich außerdem eine gute Rauschreduzierung.
Ich nutze dafür DxO PureRAW 2, bevor ich die Bilder weiterbearbeite. So kann ich auch bei ISO 3200 oder 4000 noch sehr saubere Ergebnisse erzielen.
Ich beobachte die Eichhörnchen im Normalfall erst eine Weile, bevor ich mit dem Fotografieren beginne. Wo kommen sie entlang? An welchen Stellen bleiben sie sitzen oder fressen sie? Gibt es bestimmte Äste, Baumstämme oder Plätze, die sie immer wieder aufsuchen?
Wenn ich weiß, wo sich die Tiere bevorzugt aufhalten, suche ich mir dort einen guten Platz und warte. Das hat für mich einen großen Vorteil: Ich muss dem Eichhörnchen nicht ständig hinterherlaufen, sondern kann mich in Ruhe auf die Situation und den richtigen Moment konzentrieren.
Gerade wenn man einen Platz gefunden hat, an dem regelmäßig Eichhörnchen vorbeikommen, lohnt es sich, etwas Zeit mitzubringen. Oft entstehen die besten Aufnahmen nicht in den ersten Momenten, nachdem man angekommen ist, sondern wenn man eine Weile beobachtet und weiß, was das Tier wahrscheinlich als Nächstes macht. Dennoch lohnt es sich, die Kamera sofort griffbereit zu haben. Man weiß ja nie, was passiert, und es ist schade, wenn man einen tollen Moment verpasst, weil man nicht bereit war.
Für Nüsse machen Eichhörnchen unglaublich viel! Vor allem Walnüsse sind bei ihnen sehr begehrt, aber auch Haselnüsse oder Baumhasel lieben sie sehr. Je nachdem, was sie gerade für ihren Wintervorrat benötigen, kann man mit den richtigen Nüssen jedenfalls sehr schnell ihr Interesse wecken. Eichhörnchen sind da schon ziemlich opportunistisch. Wer quasi Eichhörnchengold in Form von Nüssen dabei hat, hat oft schnell die Aufmerksamkeit der Tiere.
Mit geeignetem Futter kann man Eichhörnchen also durchaus an einen Bereich locken, der sich gut zum Fotografieren eignet. Dabei sollte man aber nicht nur darauf achten, dass der Platz für schöne Fotos geeignet ist. Er sollte den Eichhörnchen auch Sicherheit bieten. Ideal sind beispielsweise Plätze, von denen aus sie schnell einen Baum oder Sträucher erreichen können, um Schutz zu suchen.
Eine große freie Wiese ist dafür eher ungeeignet. Wenn plötzlich ein Hund ohne Leine auftaucht oder ein Greifvogel in der Nähe ist, möchte man schließlich nicht, dass das Eichhörnchen erst einen langen Weg bis zum nächsten Baum zurücklegen muss. Das Futter sollte deshalb möglichst so platziert werden, dass die Tiere bei Gefahr schnell wieder Schutz erreichen können.
Geeignet als Futter sind zum Beispiel:
Wichtig: Keine Erdnüsse, Mandeln und kein Brot oder ähnliche Lebensmittel füttern!
Ich biete Nüsse möglichst in der Schale an. Nüsse ohne Schale werden zwar häufig direkt gefressen, können aber auch versteckt werden. Bei Nüssen ohne Schale kann es passieren, dass sie die Nüsse verbuddeln und diese einfach verderben. Nüsse mit Schale eignen sich dagegen sehr gut zum Verstecken und sorgen gleichzeitig für schöne Fotomotive. Wenn ein Eichhörnchen eine Walnuss im Maul davonträgt oder gerade dabei ist, sie zu verstecken, entstehen oft besonders schöne Aufnahmen.
Wichtig ist mir dabei, die Tiere nicht zu etwas zu zwingen. Das Futter soll lediglich eine Möglichkeit bieten, sie an einen geeigneten Platz zu locken. Es sollte außerdem immer auch andere natürliche Nahrungsquellen und Möglichkeiten für die Tiere geben, selbst nach Futter zu suchen. Sollte man Kinder dabei haben, bitte darauf achten, dass sie möglichst still sind. Herumschreiende Kinder sind für die Wildtiere purer Stress und dabei entstehen meist auch keine schönen Fotos, wenn man nicht an absoluten Eichhörnchenlocations ist, wo die Tiere immens abgehärtet sind.
Eichhörnchen können sich daran gewöhnen, dass man regelmäßig an einem bestimmten Ort ist. Wenn man sich häufiger an einem Platz aufhält und dort Futter anbietet, dann erkennen die Tiere, dass keine Gefahr von einem ausgeht.
Auf meinem Balkon forciere ich das jedoch gar nicht. Ich möchte nicht, dass sie am Ende auch die Nachbarn als ungefährlich wahrnehmen, die mitunter auch Katzen usw. haben und nicht jeder ist so ein Eichhörnchenfan wie ich. Sie bekommen dort Futter, aber ich fotografiere sie im Normalfall durch die Scheibe. Dabei sehen mich die Eichhörnchen meistens durch die Spiegelung gar nicht. Schnelle Bewegungen sollte man trotzdem vermeiden, denn sobald ich mich hinter der Scheibe deutlich bewege, erschrecken sie sich mitunter schon.
Wenn ich im Sommer selbst draußen auf dem Balkon sitze und z. B. ein Buch lese und ein Eichhörnchen vorbeikommt, bleibe ich ganz still sitzen, um es nicht zu stören. Dann schauen sie mich manchmal ziemlich irritiert an und man hat fast das Gefühl, sie denken: „Häh, was ist das denn?“ In diesem Moment fotografiere ich allerdings natürlich nicht, sondern genieße es einfach, die Tiere so aus der Nähe beobachten zu können.
Im Schrebergarten sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Dort habe ich den Eichhörnchen beim Gärtnern beispielsweise Nüsse zugeworfen. Dadurch wurden sie mit der Zeit sehr zutraulich und haben sich auch nicht daran gestört, dass ich mich natürlich beim Fotografieren bewege.
Wie zutraulich Eichhörnchen werden, hängt also auch stark von der jeweiligen Situation und dem einzelnen Tier ab. Es gibt durchaus Eichhörnchen auf Balkonen, die sehr zutraulich werden. Ich habe das bei mir allerdings nie gezielt gefördert, sondern lasse die Tiere einfach selbst entscheiden, wie nah sie kommen möchten.
Ich fotografiere Eichhörnchen in ganz unterschiedlichen Situationen und an ganz unterschiedlichen Orten. Jede Location hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und erfordert teilweise eine etwas andere Herangehensweise.
Je nach Ort passe ich meine Vorgehensweise an. Mal geht es darum, möglichst unauffällig durch die Scheibe zu fotografieren, mal kann ich mich frei bewegen und die Tiere aus verschiedenen Perspektiven fotografieren. Auch Abstand, Brennweite und die Zeit, die ich an einem Platz verbringe, können dadurch ganz unterschiedlich sein.
Für mich steht der respektvolle Umgang mit den Tieren an erster Stelle. Auch wenn ein besonders schönes Foto lockt, sollte das Wohl des Eichhörnchens immer wichtiger sein als die Aufnahme.
Nicht zu nahe herangehen, wenn das Tier deutlich Abstand möchteFutter nicht als Zwang einsetzen
Den Tieren immer die Möglichkeit lassen, sich zurückzuziehen
Wichtig ist: Eichhörnchen sind harmlos und stellen keine Gesundheitsgefahr dar. Tollwut haben sie nicht und eine Tollwutübertragung durch Eichhörnchen kommt dementsprechend nicht vor.
Wenn man ihnen die Nüsse direkt aus der Hand anbietet, kann es allerdings passieren, dass sie mit ihren kleinen Zähnchen kurz testen, was man ihnen da eigentlich hinhält. Wir nennen das immer die kleinen „Testbeißerchen“. 😀
Ich hatte auch schon Eichhörnchen, die versucht haben, an meine Nüsse in der Tasche zu kommen, obwohl sie verschlossen auf dem Boden lag. Da wird dann kräftig an der Tasche gerupft oder sogar versucht, hineinzuklettern. Bei Nüssen können Eichhörnchen also erstaunlich skrupellos werden. Ein kleiner Nussüberfall ist da durchaus möglich. Das passiert jedoch nur an Plätzen, wo sie absolut abgehärtet und sehr an Menschen und die Fütterung durch Menschen gewöhnt sind. Bei einem ganz normalen Spaziergang kommt das nicht vor.
Gerade beim Fotografieren sollte man trotzdem darauf achten, wie das Eichhörnchen auf die eigene Anwesenheit reagiert. Wenn es deutlich gestresst wirkt oder plötzlich flüchtet, sollte man Abstand gewinnen oder die Situation einfach beenden.
Eichhörnchen zu fotografieren ist für mich eine wunderbare Mischung aus Technik, Beobachtung und der Freude daran, diese Tiere zu erleben.
Die richtigen Kameraeinstellungen helfen dabei, schnelle Bewegungen einzufangen. Gleichzeitig spielen Standort, Licht, Perspektive und Bildgestaltung eine große Rolle.
Vor allem aber braucht man Geduld. Nicht jedes Eichhörnchen verhält sich gleich und nicht jeder Ort funktioniert auf die gleiche Weise. Manchmal wartet man eine Weile und es passiert gar nichts, und dann kommt plötzlich genau der Moment, auf den man gewartet hat.
Deshalb: Kamera griffbereit halten, die Tiere beobachten und einfach ausprobieren. Und wenn dann plötzlich ein Eichhörnchen mit einer Walnuss im Maul genau im richtigen Licht sitzt, weiß man wieder, warum sich das Warten gelohnt hat.
Nicole Reimer
Dinkelsbühler Weg 4
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