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Street Art in Melbourne

8. Juli 2020
Reisefotografie

Eine Kunstgalerie unter freiem Himmel

Street Art ist kontrovers.
Street Art scheidet die Geister.
Ist es Kunst oder doch eher Schmiererei?

Für mich ist die Antwort ziemlich eindeutig: Street Art kann Kunst sein. Und zwar richtig gute.
Mein letzter Blogbeitrag über das Paarshooting mit Bine und Arne und unsere Suche nach geeigneten Fotolocations mit stylischen Graffitis in Augsburg hat mich deshalb dazu inspiriert, einmal einen eigenen Beitrag über Street Art zu schreiben. 

Ich finde Street Art kann unglaublich spannend sein. Es gibt so viel zu entdecken und jeder Blickwinkel kann neue Perspektiven eröffnen. Ein Stück Mauer, an dem man achtlos vorbeiläuft, kann damit plötzlich zum interessanten Fotomotiv werden. Bei Street und Urban Art liegt für mich allerdings die Betonung ganz eindeutig auf dem zweiten Teil: Art.

Die dahin geschmierten Kritzeleien und Tags, die Häuser und Straßenzüge ohne Erlaubnis verschandeln, meine ich damit definitiv nicht. Mir gefallen die vielseitigen Kunstwerke, bei denen sich jemand tatsächlich Gedanken über Gestaltung, Farben, Formen und die vorhandene Umgebung gemacht hat.

Viele dieser Werke erzählen Geschichten, greifen gesellschaftliche Themen auf oder setzen sich mit dem alltäglichen Leben auseinander. Manche sind humorvoll, andere politisch, manche einfach wunderschön anzusehen. Und manchmal ist ein Bild so geschickt in seine Umgebung integriert, dass man erst beim zweiten Blick erkennt, wie viel Arbeit und Überlegung dahintersteckt.

Für mich sind solche Werke echte Kunstwerke und als solche sollten sie auch betrachtet werden.

Street Art ist mehr als Kritzeleien an der Wand

Mich fasziniert, wie die großen, aufwendig gestalteten Werke aus einer einfachen Hauswand etwas Besonderes machen und wie kunstvoll die Künstler dabei vorgehen.

Dabei wird längst nicht nur mit klassischen Spraydosen gearbeitet. Auch Wandfarbe, Schablonen, Plakate, Aufkleber und Tapes kommen zum Einsatz. Jede Besonderheit im Mauerwerk wird integriert: Tür- und Fensterrahmen, Mauervorsprünge, abblätternder Putz, und nichts stört. Alles fügt sich zu einem großen Gesamtbild zusammen und ein einzigartiger Look entsteht. Häufig verschönert Street Art Häuser und Mauern, die selbst nicht allzu sehenswert sind.

An architektonisch ansprechenden Gebäuden und vor allem ohne Erlaubnis haben Graffitis meiner Meinung nach jedoch nichts verloren. Ein schönes Gebäude braucht für mich definitiv keine zusätzliche Bemalung.

Street Art in Augsburg

Natürlich gibt es auch in Augsburg tolle Street Art. Als wir damals nach einem geeigneten Hintergrund für unser Paarshooting mit Bine und Arne suchten, war es trotzdem gar nicht so einfach. Wir wollten schließlich nicht einfach irgendeine bemalte Wand, sondern einen Hintergrund, der optisch wirklich zum Paar und zu den Fotos passt.

In anderen Städten wie Berlin, Leipzig oder Hamburg wäre die Auswahl vermutlich deutlich größer gewesen. Eine der großen Hauptstädte der Street Art liegt allerdings ein ganzes Stück weiter weg und erfordert einige Stunden Flugzeit: Melbourne.

In dieser Stadt hätten wir uns über geeignete Motive überhaupt keine Gedanken machen müssen. Street Art gehört dort so selbstverständlich zum Stadtbild, dass man an unzähligen Stellen auf wirklich beeindruckende Werke trifft.

Street Art in den Straßen von Melbourne

Melbourne gilt als DIE Stadt für Street Art schlechthin. Hier findet man eine der größten Public Art Galleries der Welt. Wenn man durch die Straßen streift, fühlt man sich wie in einer großen Freilichtausstellung für moderne Kunst.

In Melbourne gibt es zahlreiche kleine Gassen, in denen Street Art legal ausgeübt werden darf. Zu meiner Reisezeit waren es etwa 15 bis 16 sogenannte Street-Art-Lanes. Die Werke verändern sich ständig und genau das macht für mich einen besonderen Reiz dieser Kunstform aus.

Ich war 2012 und 2013 in Melbourne. Als ich bei meinem ersten Besuch durch die Straßen und Gassen gelaufen bin, war ich von der Fülle und Vielfalt der Street Art begeistert. Ein Jahr später war ich wieder dort und stellte fest, wie schnell sich das Stadtbild verändert hatte. Der größte Teil der Werke, die ich bei meinem ersten Besuch fotografiert hatte, war bereits verschwunden. Dafür gab es unzählige neue Kunstwerke zu entdecken.

Street Art ist eben vergänglich. Ein Werk kann heute noch eine ganze Hauswand bestimmen und kurze Zeit später bereits wieder übermalt sein. Für mich macht gerade das die Sache so spannend. Was ich fotografiere, ist immer auch eine Momentaufnahme der Stadt.

Wer Melbourne besucht und sich für Street Art interessiert, sollte auf jeden Fall einen Abstecher in die Hosier Lane machen. Sie gehört zu den bekanntesten Street-Art-Gassen der Stadt und ist inzwischen weit über Melbourne hinaus bekannt. Hier findet man auf engstem Raum eine unglaubliche Vielfalt an unterschiedlichen Werken.

Wer noch tiefer in die Street-Art-Szene eintauchen möchte, kann außerdem an verschiedenen Street-Art-Touren teilnehmen. Dabei erfährt man mehr über die Künstler, die Entwicklung der Szene und die unterschiedlichen Orte. Die Stadt Melbourne stellt ebenfalls Informationen und eine Karte mit den bekannten Street-Art-Locations zur Verfügung.

Was mir an Melbourne besonders gefallen hat, ist, dass Street Art dort nicht irgendwo versteckt stattfindet, sondern ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehört. Man läuft durch eine ganz normale Gasse und plötzlich steht man vor einer riesigen bemalten Wand. Ein paar Meter weiter entdeckt man schon das nächste Werk.

Und genau deshalb hat Melbourne bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bei einem erneuten Besuch würde ich vermutlich wieder durch die gleichen Gassen laufen und trotzdem ganz andere Bilder vorfinden.

 

Tolle Street Art gibt es auch natürlich auch in anderen Städten

Natürlich ist Melbourne nicht die einzige Stadt, in der Street Art eine große Rolle spielt. Auch in Europa gibt es zahlreiche Städte mit einer lebendigen Street-Art-Szene. Berlin, Hamburg, Leipzig, Dresden, Düsseldorf und auch London, Bristol und Paris sind nur einige Beispiele.

Besonders spannend finde ich dabei, wie unterschiedlich die einzelnen Städte mit Street Art umgehen und wie sie sich in das jeweilige Stadtbild einfügt. Während manche Werke eher versteckt in kleinen Gassen zu finden sind, prägen andere ganze Fassaden und Straßenzüge.

Für mich bleibt Melbourne trotzdem etwas Besonderes. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Stadt selbst erlebt habe und dort 2012 und 2013 fotografierend durch die Straßen gezogen bin. Vor allem der Vergleich zwischen meinen beiden Besuchen hat mir gezeigt, wie schnelllebig diese Kunstform ist.

Und genau das macht Street Art für mich so spannend: Man kann ein Werk fotografieren, das vielleicht schon beim nächsten Besuch nicht mehr existiert. Das Foto hält damit nicht nur die Kunst fest, sondern auch einen ganz bestimmten Moment der Stadt.


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