Der Brecon Beacons Nationalpark in Wales gehört zu den schönsten Reisezielen für Naturfotografen in Großbritannien. Es ist bereits spät am Abend, als wir dort ankommen. Am Flughafen mussten wir lange auf unseren Mietwagen warten, und ein Abstecher zu Marks & Spencer für ein schnelles Abendessen kostete uns weitere Zeit. Wir wollten weder lange nach einem Restaurant suchen noch die Geduld unserer Airbnb-Gastgeber überstrapazieren, denn wir hatten am Ende gut zwei Stunden länger gebraucht als geplant.
Auf der nächtlichen Fahrt ist von der Landschaft kaum etwas zu sehen. Ab und zu erhellen die Lichter eines kleinen Dorfes die Dunkelheit, ansonsten herrscht um uns herum tiefste walisische Nacht. Die Fotos, die wir im Internet und in Reiseführern gesehen hatten, waren beeindruckend. Was uns am nächsten Morgen wirklich erwartet, bleibt also noch ein Geheimnis. Die Spannung steigt.
Nach einem leckeren Frühstück, einer Lektion „Learn Welsh with Will“ für die korrekte Aussprache der walisischen Ortsnamen und einer ausführlichen Beratung durch unsere Airbnb-Hosts wollen wir endlich zur Foto-Tour durch den Nationalpark aufbrechen. Meine Kamera ist griffbereit und die Vorfreude auf Landschaftsaufnahmen und Reisefotos ist riesig.
Doch noch bevor wir ins Auto steigen, sind wir bereits begeistert. Allein die Aussicht von unserer Unterkunft ist atemberaubend. Von der kleinen Anhöhe aus hat man einen wunderschönen Blick auf Bwlch (Zur Aussprache hier klicken), die nächste kleine Ortschaft, und die faszinierende Landschaft, die uns umgibt. Ein vielversprechender Start.
Wir fahren in tiefer gelegene Gegenden und tauchen in schmale, labyrinthartige Straßen mit hohen Hecken ein. Zunächst ist nicht viel zu sehen, wir fahren wie durch grüne Tunnel. Doch dann, wenn man es kaum noch erwartet, öffnen sich die Hecken und geben den Blick frei: auf putzige kleine Ortschaften mit hübschen Häuschen, verwitterte Kirchen und Denkmäler, grüne Hügel und schöne Berglandschaften. Und Schafe. Immer wieder Schafe.
In den Brecon Beacons befinden sich die höchsten Gipfel im Süden Großbritanniens. In der Eiszeit entstanden hier spannende Berglandschaften, die reizvolle Kontraste zu den sanften Hügeln und Tälern des Nationalparks bilden. Die Steilhänge sind meist von Heidekraut bewachsen, und ab und zu blitzt roter Sandstein zwischen dem Grün hervor.
Je weiter wir in die höher gelegenen Gebiete vordringen, umso mehr Schafe begleiten uns. Flauschig weiße Tupfen besprenkeln die grüne Landschaft, und mitunter führt uns unsere Route mitten durch die Schafweiden.
Ich hatte mir gewünscht, nicht nur viele Schafe, sondern auch wilde walisische Bergponys zu sehen und zu fotografieren. Und tatsächlich: Nach einer etwas steileren Anhöhe erblicken wir in der Ferne einige Welsh Ponys. Um sie nicht zu verscheuchen, lassen wir das Auto in sicherer Entfernung stehen und pirschen uns vorsichtig näher heran. Dank meines Teleobjektivs müssen wir ihnen nicht allzu sehr auf die Pelle rücken, und diese schönen Tieraufnahmen sind dabei entstanden.
Doch nicht nur für ihre grünen Hügel und Berge sind die Brecon Beacons berühmt, sondern auch für ihre Seen und Wasserfälle. Besonders im Gebiet um Ystradfellte (Zur Aussprache hier klicken) gibt es eine beeindruckende Dichte an großartigen Wasserfällen. Der Traum eines jeden Fotografen.
Eine Wanderung führt uns durch einen verwunschen wirkenden Wald und an mehreren wunderschönen Wasserfällen vorbei. Unser Ziel ist der Wasserfall Sgwd yr Eira, was so viel wie „Schneefall“ bedeutet. Um ihn zu erreichen, muss man eine Treppe bewältigen, bei der mich als Zwerg das Gefühl überkommt, sie sei für einen Riesen gebaut worden, so hoch sind die Stufen. Doch die Anstrengung lohnt sich.
Im Tal angekommen stehen wir an einem wilden kleinen Fluss, der sich tief in die Felsen gegraben hat. Vor uns erhebt sich ein majestätischer Wasserfall, der wie ein großer Schleier zu Boden fällt. Unsere Airbnb-Hosts hatten uns erzählt, dass man sogar hinter den Wasserfall laufen kann. Das müssen wir natürlich ausprobieren, und tatsächlich führt ein schmaler Pfad direkt dahinter vorbei. Ziemlich nass gespritzt, aber völlig enthusiastisch über dieses großartige Erlebnis machen wir uns auf den Rückweg.
Zwei Tage haben wir insgesamt in den Brecon Beacons verbracht, und es gäbe noch so viel zu entdecken. Doch unsere Zeit ist knapp bemessen, denn der Snowdonia Nationalpark wartet bereits auf uns. Wir sind uns einig: Der Brecon Beacons National Park zählt definitiv zu den Highlights unserer Wales-Reise. Wer mehr über die Region erfahren möchte, dem empfehle ich einen Blick auf die offizielle Website der Brecon Beacons.
Nicole Reimer
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